Sonntag, 25. Januar 2015

>Kleines pädagogisches Wörterbuch<


Vielleicht wird das eine neue Rubrik in meinem Blog.
(Zwischendurch habe ich durchblicken lassen, dass ich mein Brot im Bereich
der Pädagogik verdiene.)






Dieser Anblick beim Blick aus dem Badezimmerfenster, regte mich heute an, zwei Begriffen aus der Reiz- und Lernpsychologie auf den Grund zu gehen:

Akkommodation und Assimilation



In den letzten zwei Wintern fiel in diesem Teil Norddeutschlands zusammengezählt etwa 10 cm Schnee (großzügig gerechnet und nur auf meine Erinnerung beruhend!).

Interessant also, wie die Nachbarskinder, die wie fast alle Kinder in diesen Breiten gerne Schlitten fahren möchten, mit dieser Tatsache umgehen.

Gestern morgen begann es leicht zu schneien. Da sich der kleine Schlittenberg genau gegenüber unseres Hauses befindet, kann ich leicht beobachten, wie viel Schnee gefallen sein muss, bis das erste Kind mit dem Schlitten anrückt. Auch gestern musste Frau Holle nicht lange arbeiten, denn sobald eine transparent dichte Schneedecke (bedeutet: der Untergrund ist noch leicht sichtbar) auszumachen war, rückte ein kleiner Mensch an, seinen Schlitten hinter sich herziehend und testete den kleinen Hügel auf Befahrbarkeit. Je mehr Schneeflocken sich zu einer weißen Welt formten, desto mehr Kinder kamen aus den Nachbarhäusern und -straßen. 

Dieses Verhalten nennt man Assimilation. Die Kinder passen sich den klimatischen Bedingungen des norddeutschen Winters und den Eigenschaften des Schnees an. Sie ziehen ihre Schneehosen an, schnappen sich den Schlitten und nutzen sofort und ohne Aufschub das Winterwetter. Denn sie wissen: die weiße Pracht kann schnell vorbei sein und ein einmaliges Schauspiel für die nächsten 12 Monate bedeuten!


So ging der Nachmittag dahin und ich wartete schon gespannt auf die Aktion unserer Nachbarjungs, die in jedem Jahr den weißen Winter um etwa einen halben Tag verlängert.
So auch gestern: die Zwillinge kamen mit Besen und Schneeschieber unterm Arm heraus. Denn in Ermangelung einer Schneekanone muss per Muskelkraft der Schnee dorthin gebracht werden, wo er von den Kindern am meisten gebraucht wird. 
Dazu wird Schnee von der Weide oder aus umliegenden Gärten heran geschoben, manchmal auch mit Bollerwagen oder Schubkarre eingesammelt. (Letztes Jahr fragte ein Kind, ob es sich Schnee aus unserem Garten holen darf :-))


Das ist ein Beispiel für Akkommodation: Das heißt: der Schnee wird in seiner Eigenart, sich verformen und verschieben zu lassen, dem eigenen Verhalten angepasst. Durch die dickere Schneedecke können die Kinder sogar das Schlittenvergnügen um einige Zeit verlängern, denn auch wenn es, wie heute, regnet ist der Schnee noch dicht genug, um darauf hinunterzurutschen. (Siehe Foto! Vor einer Stunde ist das letzte Kind abgerückt, aber ich werde das weiter beobachten)

Soweit das pädagogisch-psychologische Wort zum Sonntag.
Vielen Dank fürs Lesen (denn ihr wisst ja: Pädagogen hören sich gern selbst reden und noch lieber belehren sie ihre Mitmenschen!)
Eurer Luise



Kommentare:

  1. Ach, was für ein nettes Bild zur Erklärung!!! Das klingt ziemlich nach Bullerbü, was du da so beschreibst, herrliche Vorstellung... Ich finde die Idee super und wäre eine dankbare Leserin deines Pädagogischen Wörterbuchs, denn auf diesem Gebiet bin ich eine Null. Und so wie du das beschreibst, kann ich mir das auch merken.. :-))
    Bitte weitermachen!
    Liebe Grüße,
    Nastjusha

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  2. Herrlich! Ja, bitte mach eine Rubrik daraus! Liest sich locker und leicht, und trotzdem weiss jetzt jede, was diese Wortmonster bedeuten.
    liebe Grüße Dodo

    Ps: Sehen wir uns Fr ?

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  3. Danke für die Ermunterung! Ich bin schon auf der Suche nach Begriffen und kleinen Situationen aus dem Alltag, die das veranschaulichen können.

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  4. Toll !
    Und ja es stimmt :
    Pädagogen schwätzen gern viel...;)) da gehöre ich ja auch dazu...
    Mehr Bitte !
    Fortbildung ist immer gut !
    Liebe Grüße
    Stella

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  5. Das ist mein Schwesterchen *lach* Ich finde die Idee toll eine neue Rubrik daraus zu mechen, da kann ich auch noch was lernen. Schade das ich den Kindern nicht ein bißchen Schnee abgeben kann, wir haben gaaaanz viel davon.

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