Freitag, 30. Mai 2014

Unterwegs

Das lange Wochenende nach dem 1. Mai habe ich auf Fußwegen verbracht:

















Meine Freundin und ich gingen die ersten vier Etappen des Pilgerweges von Loccum nach Volkenroda.


















Zu Fuß und alles, was ich brauche, auf meinem Rücken.



Vieles kam zur richtigen Zeit: ein gemütliches Café mit leckerem Kuchen, jemand, der uns schon am Anfang der Straße erwartete, um uns das richtige Haus mit unserer Unterkunft zu zeigen, ein Junge mit großen Zahnlücken, der uns sagen konnte, wo im Ort er das Pilgerzeichen gesehen hatte ("bei den Grills so und so rein" - begleitet mit richtungsweisenden Gesten - "bei den Grills" war ein großer Fachhandel für Gartengrills).

So sieht das Zeichen aus - leider sehr unscharf


Natürlich gibt es auch Blasen an den Füßen, schmerzende Beine und Hüften, am 2. Mai war es unangenehm kalt und wir zogen fast alles an, was sich im Rucksack finden lässt. Und träumten von heißer, sämiger Erbsensuppe...


Aber dann entdeckten wir solche Kleinode: die Kirche "Kathrinhagen", die ca. 800 Jahre alt ist, bot mir Pause und Erholung. Wie in einem schützenden Bauch fühlte ich mich. 

Die meisten Kirchen sind geöffnet und wir sammelten fleißig Pilgerstempel. Überall stand Wasser, manchmal Schokolade für die Pilger bereit. Es fragten auch Leute auf der Straße, ob wir irgendetwas brauchten... Diese Aufmerksamkeit ist besonders schön beim Pilgern.




Am Samstag hatten wir wunderbares Sonnenwetter und das Laufen war sehr leicht. Es war unglaublich schön, diese üppige Natur zu durchwandern. Nun im Weserbergland angekommen, leuchteten von weitem die Rapsfelder und ich habe in meinem Leben noch nie so viele blühende Kastanienbäume gesehen.



In Hessisch Oldendorf entdeckten wir einen alten jüdischen Friedhof. Wieder ein stiller und schöner Ort.



Schließlich kamen wir am Samstag im Stift Fischbeck an (weil wir bei den "Grills" richtig abgebogen waren!).
Dort fanden wir in der Pilgerwohnung noch zwei Betten zum Schlafen. Das kam so: kurz nachdem wir eine Passantin fragten, wen wir an einem Samstagabend noch nach der Wohnung fragen könnten, lief uns eine Ecke weiter eine Pilgerin über den Weg, die unsere Rucksäcke sah, die richtigen Schlüsse zog und fragte, ob wir ein Quartier brauchten. Sie hatte in der Wohnung das Einzelzimmer gebucht und nichts dagegen, uns auch noch aufzunehmen. So kamen wir in den Genuss, in diesem alten und einladenden Gemäuern zu schlafen. Und wir machten die Bekanntschaft einer sehr netten Pilgerin!



Wenn man unterwegs andere Pilger trifft, ergibt sich meistens ein Gespräch. Man tauscht sich über Übernachtungsmöglichkeiten aus und was sehenswert ist und wo man Blasenpflaster kaufen kann.
Als wir am Sonntag beim Bäcker standen, einen Kaffee tranken und ein belegtes Brötchen aßen, trafen wir eine Dame aus dem Stift wieder, die uns freundlich aus ihrem Zimmer zugewinkt hatte und den Kirchenführer aus Weibeck. Er hatte uns dort die kleine 1000jährige Wehrkirche gezeigt und uns den Tipp mit der Pilgerwohnung im Stift gegeben. Es war eine lustige Situation dort beim Bäcker. Mit so vielen Leuten bin ich hier zuhause am Sonntagmorgen nicht im Gespräch.
Am Sonntag liefen wir das kurze Stück (11 km) nach Hameln. Von dort aus fuhren wir in zwei Stunden mit Bahn und Bus an den Ausgangsort zurück. 
(Merke: wofür du laufend 4 Tage brauchst, bist du im Auto in 2 Stunden.)
Es war wunderschön und wir waren allezeit gut behütet!
Ich werfe in der Regel nicht mit Bibelversen um mich, aber dieser passt sehr gut:

"Du stellst meine Füße auf weiten Raum" (Psalm 31)

Wehrkirche in Weibeck





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